JournalNo. 01Getting Ready

Worauf kommt es beim Getting Ready an?

Der Morgen vor der Trauung entscheidet, wie entspannt der ganze Tag wird. Sieben Fragen und ehrliche Antworten aus der Sicht des Fotografen.

Von Marcel Jeske20. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Braut im Kleid sitzt auf einem Stuhl, die Visagistin richtet ihr Make-up

Das Getting Ready ist der ruhigste Teil des Tages und gleichzeitig der, der am häufigsten unterschätzt wird. Hier entstehen die Bilder, die später am meisten erzählen: Hände, Blicke, Details, kleine Gesten. Ob sie gelingen, hängt weniger von der Kamera ab als von Zeit, Licht und Stimmung im Raum.

Wie viel Zeit sollte ich für das Getting Ready einplanen?

Plant rückwärts. Beginnt mit dem Moment, in dem ihr bei der Trauung sein müsst, und rechnet von dort zurück: Anfahrt, Kleid anziehen, Haare und Make-up, dazu ein Puffer von mindestens 30 Minuten. Bei aufwendigen Frisuren und Make-up sind für die Braut zwei bis drei Stunden realistisch, für den Bräutigam reichen meist 45 bis 60 Minuten.

Der Puffer ist kein Luxus. Er ist der Unterschied zwischen einem Morgen, an dem ihr lacht, und einem, an dem alle auf die Uhr schauen. Fotos lassen sich nicht beschleunigen, sie brauchen einen Moment, in dem niemand drängt.

Ein ruhiges Getting Ready ist kein Zufall. Es ist geplant.

Welcher Raum eignet sich am besten?

Der hellste, den ihr habt. Sucht einen Raum mit großen Fenstern, durch die Tageslicht fällt, am besten ohne direktes Sonnenlicht. Weiches Licht schmeichelt, harte Mittagssonne und gelbes Deckenlicht dagegen nicht. Zieht die Vorhänge auf, schaltet die Lampen aus und stellt euch in die Nähe des Fensters.

Genauso wichtig: Der Raum sollte aufgeräumt sein. Koffer, Kosmetiktaschen und leere Gläser gehören vor dem Termin in eine Ecke oder ins Nebenzimmer. Ein ruhiger Hintergrund macht aus jedem Foto eine Szene, ein volles Zimmer aus jedem Foto eine Dokumentation.

Braut sitzt auf einem Stuhl im Gegenlicht, die Visagistin schminkt sie, Silhouetten in Schwarzweiß
Gegenlicht am großen Fenster

Welche Details sollte ich bereitlegen?

Legt alles, was später fotografiert werden soll, an einem Ort zusammen, noch bevor der Fotograf kommt. Das spart Suchen und gibt dem Fotografen Zeit für das, was zählt. Dazu gehören für die Braut das Kleid auf einem schönen Bügel, die Schuhe, der Schmuck, der Schleier, Parfum, die Einladungskarte und die Ringe. Beim Bräutigam sind es Anzug, Hemd, Fliege oder Krawatte, Manschettenknöpfe, Uhr und Schuhe.

Ein kleines Tablett oder eine ruhige Fläche, zum Beispiel ein heller Tisch, wirkt Wunder. Wenn ihr einen persönlichen Brief oder ein Geschenk füreinander habt, gehört auch das dazu.

Wer sollte beim Getting Ready dabei sein?

Weniger, als man denkt. Drei bis fünf Menschen sind ideal: Trauzeugin, Mutter, Schwester oder beste Freundin, also die, die euch ruhig machen und nicht nervös. Jede zusätzliche Person im Raum fügt Lärm, Gespräche und Handys hinzu.

Sagt vorher, wer dabei sein darf und wer später dazukommt. Das ist keine Unhöflichkeit, sondern Fürsorge für den Moment.

Was trage ich, während ich geschminkt werde?

Etwas, das ihr nach dem Make-up nicht über den Kopf ziehen müsst: ein Hemd oder eine Bluse mit Knopfleiste, ein Morgenmantel oder ein Satin-Set in hellem Ton. Schlichte Farben und ruhige Stoffe sehen auf Fotos am besten aus. Bunte Aufdrucke und große Schriftzüge wirken dagegen schnell unruhig.

Ein Morgenmantel oder ein Hemd mit euren Initialen ist ein hübsches Detail, aber kein Muss.

Wie bindet man den Bräutigam ein?

Das Getting Ready ist nicht nur Sache der Braut. Auch der Bräutigam hat seinen Morgen: Hemd zuknöpfen, Fliege binden, Uhr anlegen, Anstoßen mit den Trauzeugen. Plant dafür einen eigenen Zeitraum ein, auch wenn er kürzer ist.

Wenn ihr nur einen Fotografen habt, sprecht den Zeitplan beider Seiten vorher mit ihm ab. So kann er euch beide in Ruhe begleiten, statt zu hetzen.

Was geht beim Getting Ready am häufigsten schief?

Meistens sind es keine großen Dinge: ein verspäteter Friseur, zu viele Gäste im Raum, ein Zimmer ohne Tageslicht oder die Einladungskarte, die niemand findet. Die Lösung ist fast immer dieselbe, nämlich mehr Zeit, weniger Menschen und ein Platz für alle Details.

Und noch etwas: Lasst euch auch einmal Zeit für den Moment vor dem Spiegel. Diese Minuten sind oft die ruhigsten des ganzen Tages und die, an die man sich später am liebsten erinnert.

Kurz gesagt

  • Plant das Getting Ready rückwärts von der Trauung und rechnet mindestens 30 Minuten Puffer ein.
  • Wählt den hellsten, aufgeräumtesten Raum mit Tageslicht, nicht das Badezimmer.
  • Legt alle Details auf einem Platz bereit: Kleid, Schuhe, Ringe, Schmuck, Einladung, Parfum.
  • Wenige Menschen im Raum, ruhige Stimmung, keine Hektik.
  • Gebt dem Fotografen den Zeitplan vorab, dann bleibt Zeit für beide Seiten.
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